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  • Hallo zusammen!

    Brigitte und ich, sind im August 2004 den Jakobsweg von Innsbruck nach

    Einsiedeln gegangen.

    Es war für uns beide eine wunderbare Erfahrung. Ich denke, mit dem Partner

    alleine den Jakobsweg zu gehen,

    gemeinsam intensiv zu erleben wie schön doch unsere Natur ist, Gott sehr

    nahe zu sein, die verschiedenen Menschen kennen lernen, gemeinsam durch dick

    und dünn zu gehen, ein schönes Erlebnis.

    Ich setze den Fuß voller Achtsamkeit auf die Erde,

    im Wissen, dass ich auf einer wunderbaren Erde gehe.

    (Thich Nhat Hanh)

    Schöne Grüße

    Brigitte und Alois Norz

     

    1.Etappe

    In diesem Jahr fällt Jakob auf einen Sonntag und wird in Santiago de Compostela zum Heiligen Jahr ausgerufen- ein gutes Jahr zum Pilgern und auf den Jakobsweg zu gehen.

    Am 25. Juli 2004, am Tag des Heiligen Jakobus, beginnen wir unsere Pilgerwanderung in Innsbruck beim Dom zu St. Jakob mit einer wunderschönen, feierlichen Pilgermesse. Gemeinsam mit einer Pilgergruppe aus dem Unterinntal feiern wir im Propsteigarten in einer gemütlichen Runde und einer vorzüglichen Agape unseren Start.

    Die erste Etappe führt uns ohne Gepäck, dem Inn entlang auf dem Fußgängerweg von Innsbruck in westlicher Richtung am südlichen Innufer stadtauswärts. Es ist fast nicht zu glauben, dass man so abgeschieden von Verkehr und Lärm eine Stadt verlassen kann. Bei der Karwendelbrücke wechseln wir auf das nördliche Innufer bis nach Kranebitten.

    Der Weg verläuft immer neben dem Inn unter sehr viel angenehmen Schatten der Bäume. Wir sind noch frisch und das Gehen macht Freude. Ab Kranebitten führt der Weg dann leider neben der Hauptstraße über die Völser Seesiedlung weiter. Es ist sehr heiß, Gitti hat noch fast nichts gegessen und sie fühlt sich nicht besonders gut. Bei der Tankstelle in Völs, machen wir eine kurze Pause, stärken uns mit Müsliriegel und füllen unsere Wasserflasche voll. Dann geht es wieder munter weiter auf einem schönen ruhigen Weg über Afling, Himmelreich nach Kematen und Unterperfuss-unserem Heimatort. Die erste Etappe ist also nach 3½ Stunden geschafft und ab 3. August geht’s weiter.

    Abends fahren wir noch einmal nach Innsbruck um unser Auto zu holen und nützen die Gelegenheit, im Stadtbereich und Völs auf dem nichtmarkierten Jakobsweg ein bar Spuren (Markierungen) zu hinterlassen.

    Die Gruppe aus dem Unterinntal bricht am Montag wieder in Innbruck auf und freut sich über die gute Markierung.

    Brigitte und ich, begrüßen die Pilger am Ortseingang von Unterperfuss gegen Mittag mit Brot und Rioja Wein zur Freude aller. Der Rioja Wein sollte zur Einstimmung auf Spanien gedacht sein. Freude geben ist ein tolles Erlebnis. Es ist eine nette Runde, es wird viel erzählt. Mit einem musikalischen Ständchen und einem „buen Camino“ hat sich die Mannschaft in Richtung St. Christoph am Arlberg verabschiedet.

     

    2. Etappe

    Pfaffenhofen - Imst

    Am 3.8.04 steigen wir in Pfaffenhofen wieder in den Jakobsweg in Richtung Einsiedel ein.

    Den Steckenabschnitt von Unterperfuss nach Pfaffenhofen sind wir zu einem früheren Zeitpunkt schon gegangen. Dieses Datum haben wir im Gedanken an die Dreifaltigkeit gewählt.

    Unsere Schwägerin Angelika, begleitet uns bis zur Königskapelle in Imst. Im Kloster Stams machen wir in der Stiftskirche eine besinnliche Rast. Von der Schönheit der Stiftskirche sind wir überwältigt.

    Jetzt geht es weiter nach Haiming. Es ist sehr heiß und der Rucksack zieht ganz schön nach unten. Mit Verspätung machen wir in Haiming unsere wohlverdiente Mittagspause.
    Die Wirtin ist sehr freundlich und freut sich über die Einkehr von Pilgern. Bei Haiming führt der Weg durch ein großes Kieswerk. Das Gehen in diesem Abschnitt ist „mörderisch“ und wird durch ein nettes Erlebnis aufgeheitert. Wir bleiben stehen um Wasser zu trinken, als Gitti direkt neben uns unter einem kleinen Baum eine Taube sieht die wohl auch eine Rast einlegt. Die Taube schaut uns mit schiefem Kopf an, macht aber keine Anstalten, davonzufliegen. Als ob sie sagen will: „Ihr müden Pilger tut mir doch hoffentlich nichts“.

    Bei Roppen erfreuen wir uns im Römerbad in der Kneipanlage. Mit frischen Füßen geht es weiter über Karres, Karrösten bis zur Königskapelle in Imst. Von dort werden wir von unsrer lieben Freundin Hannelore aus Wald im Pitztal abgeholt.
    Sie kocht uns noch großartig auf und gibt uns für die erste Nacht in unserem Pilgerdasein eine Unterkunft. Hannelore ist wirklich ein „Engel“. Der erste Tag hatte es in sich, sehr heiß, viel Asphalt, wenig Schatten und die ungewohnte Last des Rucksacks. Total Erschöpft fallen wir ins Bett.

     

    3. Etappe

    Imst - Grins bei Landeck

    Nach einem ausgiebigen Frühstück bringt uns Hannelore wieder zu unserem Ausgangspunkt bei der Königskapelle. Sie begleitet uns heute bis Zams.

    Wir haben einen schönen Weg, über Schönwies, Obsaus, auf den Spuren der Via Claudia Augusta, zur wildromantischen Zamerschlucht. Es geht zwar immer wieder anstrengend auf und ab, aber die Schönheiten dieser Gegend entschädigen die Strapazen. In der Wallfahrtskirche Kronburg, bedanken wir uns vor dem Mittagessen mit einer kurzen Andacht.

    Anschließend suchen wir uns ein schattiges Plätzchen für einen Mittagsschlaf.
    In Zams verabschieden wir uns von Hannelore. So, ab jetzt sind wir alleine, zwei einsame Pilger. Wir wandern noch steil bergauf über Stanz nach Grins. Der Aufstieg ist sehr mühsam. Jetzt zieht auch noch ein Gewitter auf und wir haben noch keine Unterkunft. Es wird hastig das Handy zur Hand genommen und Zimmer bestellt.

    Wir haben Glück. Die Hausherrin erklärt uns noch den Weg und wir beeilen uns, um nicht nass zu werden. Ich wundere mich, wo Gitti plötzlich wieder diese Energie hernimmt. Kaum in der Unterkunft angekommen geht das Gewitter auch schon los. Wir sind bei einer netten Familie untergekommen, die Frau macht uns noch einen sehr guten Toast, dann geht’s ab in die „Falle“.
    Wir schlafen wie die Murmeltiere.

     

    4. Etappe

    Grins - St. Anton am Arlberg

    Dieser Tag beginnt mit einem netten Gespräch beim Frühstück mit der Gastfamilie und weiter geht’s in Richtung St. Anton. St. Anton ist für diesen Tag unser Traumziel, um für den Aufstieg zum Arlberg am nächsten Tag frisch zu sein.

    Ein wunderschöner Tag, mit tiefblauem Himmel, als ob es nie ein Gewitter gegeben hätte.

    Der Jakobsweg verläuft hier ca. 500 Höhenmeter oberhalb des Talbodens in absoluter Ruhe und sehr abgeschieden. Wir begegnen ein oder zwei Wanderern.
    Auch die Tierwelt scheint da noch im Einklang mit der Natur zu sein. Seit meiner Kindheit habe ich keine Blindschleichen mehr gesehen und hier entdecken wir gleich mehrere.

    Von Grins und von Richtung Strengen zur Lärchenkapelle hat man einen sehr, sehr schönen Kreuzweg aufgestellt. Wirklich sehenswert, mit wunderschönen Stationen mit Reliefbildern. Ein Lob diesem Künstler. Kurz vor der Lärchenkapelle kann man Waagenspuren aus der Römerzeit sehen. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl bei dem Gedanken, dass hier vor quasi tausend oder mehr Jahren Menschen mit Pferdewagen durchgezogen sind.

    Wie mühselig muss das wohl gewesen sein? Worüber werden sie sich unterhalten haben? Unwillkürlich wird in der Vorstellung die Vergangenheit irgendwie lebendig.

    In Strengen geht unser Wasservorrat zu Ende. Wir läuten einfach bei einem Haus und bitten die Frau um Wasser. Sie ist sehr nett, erfüllt uns den Wunsch und bietet uns sogar Saft an.
    Kurz vor Flirsch am Arlberg finden wir eine Wegmarkierung nicht. Wir gehen einen steilen Bergweg aufwärts, bis wir nach ca. 1 Stunde sicher sind, falsch zu sein. Ein kräfteraubender Irrweg, bevor es wieder weiter geht nach Flirsch wo, wir uns ein Mittagessen hart verdient haben. Danach geht es wieder zügig aufwärts bis in den Schnannerwald. Hier suchen wir uns wieder ein schattiges Plätzchen für eine Pause, ziehen Schuhe und Socken aus, rollen unsere Liegematte aus und lassen die Seele baumeln.

    Nach der Pause geht’s der Rosanna entlang nach Pettneu. Bei einer Trinkpause rufen wir in St. Anton bei einer Adresse aus dem Jakobsführer an, um ein Zimmer zu bestellen.

    In Pettneu ist der Jakobsweg schlecht beschildert. Wir fragen uns durch und man wollte uns sogar in die falsche Richtung schicken. So ist halt das Leben, traue nicht jedem.

    Der Weg führt uns wieder hoch über den Talboden weiter. In St. Jakob bei der Kirche kommen wir wieder in den Ort. Ein kurzer Besuch in der Kirche zu St. Jakob erscheint uns trotz eines aufziehenden Gewitters zur Pflicht für Jakobspilger. Durch den Ort St. Jakob vor einem Hotel erkundigt sich ein stattlicher Herr über unser Vorhaben und wo wir denn heute noch hinwollten. Wir erklären, dass unser Ziel St. Anton sei, um eben für den Aufstieg zum Arlberg frisch zu sein. Das Gewitter scheint schon sehr nahe zu sein und er bietet uns an, uns mit dem Auto nach St. Anton zu bringen.
    Da wir uns entschlossen haben den Weg bis Einsiedeln zu Fuß zu pilgern, lehnen wir dankend ab. Als wir weitergehen, bleibt ein „dicker“ Mercedes neben uns stehen. Es ist wieder dieser stattliche Herr, ein Hotelier aus St. Jakob. Er beteuert, dass wir es bis St. Anton nicht vor dem Gewitter schaffen und er würde uns gerne hinbringen. Wir sind gerührt über die Hilfsbereitschaft, lehnen aber wieder dankend ab. Er erklärt uns noch eine Abkürzung, wie wir unsere Unterkunft auf schnellstem Weg erreichen könnten, wünscht uns noch viel Glück und ist dahin. Es tut gut, dass es noch solche Menschen gibt.

    Wieder haben wir Glück. Wir kommen bei der Unterkunft an und das Gewitter bricht auch schon los. Gitti war von der Unterkunft nicht gerade angetan, doch die Frau ist sehr nett, überrascht uns mit einer Gemüsesuppe. Man muss bedenken dass sie vor ein paar Tagen eine Operation im Fuß hatte, mit Krücken gehen muss und fast nicht über die Stiege steigen kann. Umso mehr schätzen wir ihre Gastfreundschaft. Beim Abendessen unterhalten wir uns noch sehr lange über das Pilgern. Sie war letztes Jahr in Spanien auf dem „Camino“ nach Santiago unterwegs und erzählt mit voller Begeisterung von den Schönheiten und Erlebnissen auf dem spanischen Jakobsweg.

     

    5. Etappe

    St. Anton am Arlberg - Klösterle

    Beim Frühstück geht das Gespräch vom Abend weiter und die Gastgeberin präsentiert uns einen ganzen Ordner voller Unterlagen. Mit Stolz zeigt sie uns ihre Compostela (Pilgerurkunde).

    Sie gibt uns noch Tee und eine Tafel Schokolade mit, als Gusto für den heutigen Tag. Für die Herberge nimmt sie kein Geld. Jakobspilger haben bei ihr in der Sommermonaten immer eine offene Tür und es kommt für sie überhaupt nicht in Frage, etwas dafür zu nehmen.

    Schon wieder eine überaus menschliche Geste, die man wohl nur als Pilger erleben kann. Später als geplant geht es von St. Anton in Richtung Arlberg. Unser heutiges Tagesziel ist Klösterle. Ein harter Tag steht uns bevor und das Wetter meint es gut mit uns.

    In St. Anton sind schon viele hastige Menschen unterwegs. Beim Ortsausgang vergehen wir uns und sind gezwungen, ein Stück neben der Bundesstraße zu marschieren. Fürchterlich, der Verkehr, der Gestank, aber wahrscheinlich wollte es der Hl. Jakob so. Wir treffen auf ein Pilgerpaar aus der Gegend von Tulln, Hanna und Alfred. Beide sind ebenfalls zu Fuß unterwegs. Ihr Ziel für heuer ist St Christoph am Arlberg.

    Wir tauschen Erfahrungen aus und entschließen uns den Arlberg gemeinsam in Angriff zu nehmen. Richtung Rosannaschlucht zur Stiegeneck-Kapelle, geht es auf schmalen Steigen sehr anstrengend steil berauf. Nach ca. 3½ Stunden erreichen wir den Maiensee. Ein tolles Gefühl, auf einmal stehst du in dieser Höhe vor einem glasklaren, wunderschönen See. Du weißt, jetzt hast du den höchsten Punkt auf dem Jakobsweg bis Spanien geschafft. Es zieht ein kalter Wind durch unsere verschwitzte Kleidung, doch wir genießen diesen Augenblick bevor wir nach St. Christoph absteigen. In der Bruderschaftskapelle bedanken wir uns und bitten den Heiligen Christopherus für einen guten Weg und seinen Schutz.

     

    • Heiliger Christopherus
    • Du bist nicht nur für Reisende und Wanderer da
    • Du bist auch immer da für jene Menschen
    • die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind
    • Du bist auch immer da für Menschen
    • die im Leben Gott suchen
    • Du hast den Sinn des Lebens gefunden
    • Gott dienen und den Menschen
    • Du hast auch Gott gefunden
    • die ewige Liebe
    • die den Menschen liebt und trägt
    • wir beten zu Dir
    • Sei Stock und Stab für suchende Menschen unterwegs
    • Wir danken Dir
    • Amen

    Mit dem Ehepaar aus Tulln verstehen wir uns sehr gut. Im Gespräch finden wir viele Übereinstimmungen. Wir essen noch gemeinsam zu Mittag, tauschen unsere Adressen aus und verabschieden uns in Richtung Klösterle. Für unsere Begleiter ist hier für dieses Jahr Endstation. Sie fahren wieder nach Hause. Der Rauz - Bach entlang, gehen wir teils auf der alten Passstrasse. Es fängt an zu regnen. Wir werfen den Regenschutz über und versuchen so schnell wie möglich zur Alperauz zu kommen.

    Hier machen wir Rast, in der Hoffnung der Regen möge doch nachlassen. Dies hat sich leider als Irrtum herausgestellt und wir marschieren eben im Regen weiter der Alfenz entlang. Wir versuchen telefonisch bei den Adressen aus dem Führer von Peter Lindenthal ein Zimmer zu bestellen. Leider vergeblich. Es ist gerade das Klostertaler Fest und somit jedes Bett belegt. Wir versuchen es auf gut Glück und fragen uns bei einigen Privatzimmervermietern durch. Eine ganz nette Vermieterin will uns gerne helfen und telefoniert alle ihre Bekannten bis Bludenz durch, doch alles ist belegt. Wir hinterlassen unsere Telefonnummer, für den Fall, dass sich doch noch was ergibt und machen uns etwas niedergeschlagen wieder auf den Weg. Wir lesen ein Schild: Zur Bushaltestelle 5 Minuten.

    Es ist schon fast dunkel und wir entschließen uns, bis Bludenz mit dem Bus zu fahren in der Hoffnung dort eine Unterkunft zu finden. Verzweiflung kommt auf, wir setzen uns bei einem alten, großen Haus auf die Bank und warten auf den Bus. Ich versuche, Gitti aufzumuntern indem ich ihr sage, dass uns der Hl. Jakob schon helfen wird. Gleich darauf kommen zwei Frauen um die Ecke, wir kommen ins Gespräch, erzählen dass wir auf dem Jakobsweg seien und von unserem Schicksal mit der Herbergsuche.

    Sie muntern uns auf , erzählen uns, dass dies ein christliches Haus, ein Ferienheim sei und es wird eine Lösung geben. Sie holen den Pfarrer und wir bekommen doch tatsächlich ein kleines Zimmer mit Stockbetten und Duschmöglichkeit wie im Paradies. Der Pfarrer klopft später noch einmal an die Tür, in Sorge, ob wir noch Hunger hätten. Das Küchenpersonal würde uns gerne noch etwas kochen. Der Pfarrer und die Gäste sind von unserer Pilgerwanderung ganz begeistert.

    Wir werden mit so viel Freude aufgenommen, können unsere Wäsche waschen. Als ich diese im Heizraum aufhängen will, nimmt mir eine etwas ältere Frau die ganze Wäsche ab, um sie noch zu schleudern und dem Befehl, wir sollten uns ausruhen, sie werde sich um alles kümmern. Man hat wirklich das Gefühl, der Hl. Jakob lässt seine Pilger nicht im Stich.

    Unsere Pilgerpässe machen die Runde, jeder will den Pass in seinen Händen haben. In unserem Zimmer hören wir noch, wie sich einige vor der Tür über die Pilgerwege unterhalten. An diesem Abend sind wir wohl das Tagesgespräch.

     

    6. Etappe

    Klöstele - Nüziders

    In unserer Unterkunft sind alle sehr besorgt um uns. Ein perfektes Frühstück steht bereit. Unsere beiden Trinkflaschen werden mit Tee gefüllt, Obst und eine Jause für unterwegs wird uns zubereitet. Zum Abschied werden noch Fotos mit dem Pfarrer geknipst und dann geht’s los. Unser Ziel für heute ist Nüziders.

    Eine lange Wanderung durch das endlos scheinende Klostertal beginnt. Hinter Dalaas geht es wieder einmal begrauf. Wir kommen bei einem Haus vorbei, eine Frau grüßt ganz herzlich aus dem Fenster und fragt, ob wir das Pilgerpaar seien, welches gestern auf der Zimmersuche war. Auch bei ihr wurde angerufen, leider hatte sie auch kein Bett mehr frei. Wir haben fast den Eindruck, die Leute haben ein schlechtes Gewissen, dass kein Zimmer im Klostertal für Pilger zur Verfügung war. Wir erzählen natürlich von der freudigen Überraschung des Abends. Am Nachmittag sind wir kurz vor Bludenz. Bei Gitti und mir kommt das erste Mal Resignation auf. Es ist sehr heiß, der Gedanke ans Aufgeben liegt in der Luft.

    Natürlich lasse ich mir nichts anmerken, versuche Gitti zu motivieren, was mir dann auch gelingt. Unter einem Baum im Schatten, mit ausgezogenen Schuhen und Socken, bringen wir unsere Blasen und Füße wieder einigermaßen auf Vordermann. Wir hatschen durch Bludenz nach Nüziders. Das uns empfohlene Hotel liegt am Ortsausgang von Nüziders, direkt am Jakobsweg - also ideal, aber leider: Kein Zimmer frei. Der Wirt ist sehr unfreundlich und wir haben das Gefühl er will uns nicht aufnehmen. Es hat nicht den Anschein dass das Hotel ausgebucht sei. Auf meine Frage, wo denn die ganzen Leute wären, behauptet er, dass noch ein Bus kommt würde.
    Nach einigem Bitten ruft er uns ganz unfreundlich einen Privatzimmervermieter an, bei dem wir dann ein Zimmer erhalten. Leider befindet sich diese Unterkunft 3 km zurück, also 1 Stunde Fußmarsch umsonst. Ich bitte den Wirt noch einmal, er möge doch den Vermieter ein zweites mal anrufen, ob es eine Möglichkeit geben würde uns abzuholen. Er weißt meine Bitte ab. Als ich ihm dann zu verstehen gebe, dass man Pilger nicht so vor die Tür setzen würde, bringt er uns mit seinem Auto zur Unterkunft. Ich denke, ich konnte doch ein Gefühl in ihm wecken.

     

    7. Etappe

    Nüziders bis Feldkirch ist angesagt.

    Als wir am Morgen wieder bei dem unfreundlichen Wirt vorbeigehen steht der besagte Bus nicht auf dem Parkplatz. Wir machen uns unsere Gedanken.

    Über den hängenden Stein geht es weiter in Richtung Ludesch. Wir machen noch eine Fleißaufgabe zur Martinskapelle, doch leider ist sie zugesperrt. In einem Waldstück vor Schlins entschließe ich mich meiner müden Gitti den Rucksack abzunehmen. Für Gitti, die bis jetzt alles selber getragen hat, ist das natürlich eine Erleichterung. Mir machen die beiden Rucksäcke weniger aus als gedacht. Ich wundere mich selbst über meine Ausdauer. Wir beschließen, dass ich ab nun jeden Tag für ca. 2 Stunden beide Rucksäcke tragen würde. Ich mache das gerne, weil ich stolz und glücklich bin, dass mich Gitti auf dem Jakobsweg begleitet.

    In Schlins wohnt ein Bekannter, der mir den Auftrag gab mich unbedingt bei ihm zu melden. Das tun wir auch und lassen uns mit dem Auto nach Feldkirch bringen. Am Nachmittag kommen wir dort an. Wir haben uns in dem Hotel, in dem ich beruflich nächtige ein Zimmer bestellt. Heute können wir uns richtig ausrasten. Am Abend rufen wir noch liebe Freunde an und verbringen einen gemütlichen Abend.

    Bei meiner Planung - habe ich leider keinen Ruhetag eingerechnet. Ich finde, es ist unbedingt notwendig, so nach dem vierten oder fünften Tag einen Rasttag einzubauen. Zumindest ist es ratsam immer wieder kürzere Tagesetappen zu planen.

     

    8. Etappe

    Feldkirch - Nesslau

    Von Felkirch Nofels pilgern wir über die Grenze nach Ruggel in Liechtenstein. An der Grenze haben wir eine nette Unterhaltung mit den Zöllnern. Sie testen das Gewicht der Rucksäcke und sprechen uns ihre Bewunderung aus. Der Zöllner aus Lichtenstein lässt es sich nicht nehmen, uns einen Zollstempel in den Pilgerpass zu drücken. Es geht weiter über Ruggell, dem Rhein entlang nach Bendern und von dort über die Rheinbrücke auf Schweizergebiet über Gams nach Wildhaus. Der Weg von Gams nach Wildhaus ist sehr anstrengend. Das erste Teilstück geht über die steil ansteigende Hauptstraße.

    Die Sonne meint es heute wieder einmal ganz besonders gut mit uns und bringt auch noch den Asphalt auf entsprechende Temperatur. Es ist die Hölle. Bei der ersten Rechtskehre nehmen wir den Feldweg geradeaus. Das erweist sich als gute Idee, wir kommen bald in den Wald. Der Steig ist zwar sehr steil, aber wenigstens im Schatten und durch Wälder. Wir kommen völlig abgekämpft wieder auf ein Teilstück der Hauptstraße. Gitti ist fix und fertig, als ein älterer Herr mit seinem Auto stehen bleibt und uns eine Mitfahrgelegenheit bis Wildhaus (ca. 3 km) anbietet. Wir nehmen seine Einladung gerne an, diesen Samariter muss uns der Hl. Jakob geschickt haben.

    Ab Wildhaus geht’s der Thur entlang auf und ab bis Nesslau. Nach der langen Etappe, ca. 35 km, gönnen wir uns in Nesslau ein Hotel mit einem vorzüglichen Abendessen. Es war der anstrengendste Tag bis jetzt. Wir fallen hundemüde in die Betten.

     

    9. Etappe

    Nesslau – St. Gallenkappel

    Gitti hat ihre Gummipfropfen der Wanderstöcke durchgewetzt. In Nesslau haben wir Gelegenheit neue zu besorgen. Auf einem einsamen Wanderweg pilgern wir wieder der Thur entlang. Wir treffen kaum Menschen. Ab und zu begegnet uns ein Jogger. Auf einer Bank macht ein älteres Ehepaar Rast und fängt gleich ein Gespräch an. Es sind nette, sehr gepflegte Leute. Die Frau freut sich ganz fest, endlich eine Jakobsmuschel in Natura zu sehen. Sie erzählen uns, dass ein bekannter Bauer in St. Gallenkappel Schlaf im Stroh anbieten würde. Wir denken erst noch nicht so darüber nach, behalten den Tipp jedoch fest.

    Wir ziehen weiter nach Wattwil. In Wattwil treffen wir auf den Jakobsweg von Richtung Rorschach. Ab hier ist der Jakobsweg wieder perfekt beschildert.

    Über Wattwil thront das Kloster Maria Engel. Wir machen in der Klosterkirche Einkehr für ein Gebet und steigen durch den Wald zur Burg Iberg auf.

    Die nach 1200 erbaute Iberg kontrollierte die Aufstiege Richtung Laad und Ricken. Bereits das um 1300 verfasste Einsiedler Itinerar (Verzeichnis rekonstruierter historischer Reisewege) Erwähnt die Burg als Monument am Pilgerweg.

    Von da geht es meist auf Asphalt steil zum Laadpass weiter. Unser Wasservorrat geht zu Ende. Um Gitti über den Berg zu bringen, trinke ich nichts mehr. Gott sei Dank kommt nach einem kurzen Waldstück ein Bauernhaus. Es gibt Wasser. Auf dem Jakobsweg lernt man Wasser wieder so richtig zu schätzen. Ein Mädchen steht am Brunnen, um Futtertröge ihrer Hühner zu reinigen. Sie gibt uns natürlich sehr gerne Wasser. Wir fragen wie weit es noch bis zum Laadpass sei. Sie zeigt uns weit oben ein Haus und meint, dort müsst ihr hin. Sie lächelt immer beim Reden und ich sage zu Gitti: Die macht sich sicher nur einen Spaß. Wir werden bald da sein. Dem ist dann leider nicht so. Das Mädchen hatte schon Recht. Endlich, auf dem Pass angekommen, stehen neben dem Weg vor einer Almhütte vier Stühle, die zur Rast einladen. Gitti entdeckt hinter uns einen Kühlschrank mit einem aufgeklebten Zettel: Getränke sind zu entnehmen und das Kässeli (Kassa) befindet sich im Kühlschrank. Es ist kein Alptraum, kalte Getränke sind da und im Gefrierfach finden wir Speiseeis. Wir nehmen uns beide ein Cola und genießen das Panorama. Wir unterhalten uns über die wunderschöne Aussicht und die überaus nette Geste dieses Bauern. Wie viele Herzen wird er wohl mit seiner Tat schon erfreut haben? Wir haben uns riesig gefreut. An dieser Stelle noch einmal ein recht herzliches Dankeschön.

    Ab dem Laadpass geht der Weg recht fein bergab. Ein kleiner Bach ladet zum Kneipen ein. Es gibt den ersten Ausblick auf den Zürichsee. Dort haben wir eine Schwimmpause eingeplant, auf die wir uns schon ganz fest freuen. Doch noch ist es nicht so weit. In Rüeterswil steht eine schöne Kapelle, welche der St. Ursula geweiht ist, mit einem Gasthaus. Kapelle und Gasthaus laden zur Einkehr. Bis St. Gallenkappel ist es noch ca. 1 Stunde. Wir erkundigen uns beim Wirt nach einer Schlafgelegenheit in St. Gallenkappel. Wieder wird uns Schlaf im Stroh empfohlen. Der Wirt schreibt uns noch den Namen des Bauern auf und erklärt, dass der Hof direkt am Jakobsweg liegt. Schlaf im Stroh - wir sind sehr skeptisch, wollen uns aber überraschen lassen. Wir brechen auf in Richtung „Strohlager“, zu allem Überfluss fängt es auch noch an zu regnen. Gegen 9 Uhr kommen wir zu dem Bauernhof.

    Es ist alles da, Strohlager, Dusche, - was willst du mehr? Wir sind angenehm überrascht.Noch dazu sind wir die einzigen Gäste und das Lager mit ca. 15 Schlafplätzen und einer gemütlichen Sitzecke ist nur für uns allein. Eine Duschmöglichkeit gibt es im Nebengebäude. Ein kleiner, ganz netter Hund hält vor dem Scheuneneingang für uns Wache.Gitti und ich haben ihn sofort in unser Herz geschlossen. Er bellt während der ganzen Nacht nur einmal, als einmal ein Auto vorbeifährt. Trotz der Strapazen, geht wieder ein schöner Tag zu Ende.

    Anmerkung zu „Schlaf im Stroh“:

    Schlaf im Stroh ist ein Projekt der Schweizer Bauern, um die Kassa aufzufüllen. Es werden Gruppenschlafräume mit Strohlager und Frühstück, eventuell sogar mit Jause am Abend zu vernünftigen Preisen (ca. 25.-SF pro Person) angeboten. Ich finde das eine gute Idee.

     

    • Schlafe im Stroh - das macht froh!
    • Und am nechschtä Morgä,
    • gits ä feinä Zmorgä-
    • de vergissisch alli Sorgä!

    10. Etappe

    St. Gallenkappel – Schmerikon – Pfäffikon

    Die Nacht im Strohlager ist besser als erwartet. Der Bauer erwartet uns in einer kleinen Küche mit einem tollen Frühstück. Er isst mit uns am Tisch und wir haben eine ganz nette Unterhaltung. Gitti und ich sind von seiner Gastfreundschaft sehr angetan.

    Weiter geht es über das Risifeld, die Höfe von Herrenberg und durch das ehemals gefürchtete Geistergebiet des Bürstli zum Goldbera. Hier genießen wir den Ausblick auf den Obersee, den oberen Teil des Zürichsee. In Schmerikon kommen wir dann an den heißersehnten Zürichsee. Unsere Freude ist deshalb so groß, weil für den Nachmittag eine Badepause geplant ist.

    Ab Schmerikon gibt es für den Jakobsweg zwei Möglichkeiten: Über Lachen oder über Rapperswil. Wir entscheiden uns für die etwas längere, aber laut Empfehlung der Einheimischen schönere Strecke über Rapperswil. Der Weg führt auf einem Radweg dem See entlang. Wir kommen zum Kloster Mariazell in Wurmsbach. Ein Benediktinerkloster mit einer sehr schönen Kirche und einer ganz besondere Gebetskapelle befindet sich dort.

    Nach einer kurzen Wanderung ist es endlich so weit: Schwimmen ist angesagt, raus aus den Klamotten und rein in den herrlichen Zürichsee - ein Super gefühl, das feine Wasser, endlich einmal andere Bewegungen, eine Erholung für Nacken und Schultern. Wir freuen uns wie kleine Kinder! Im Wasser lernen wir noch einen jungen Priesteranwärter aus Liechtenstein kennen, der in Innsbruck studiert hat. Es gibt wieder genügend Gesprächsstoff und wir kommen schon fast nicht mehr aus dem Wasser raus. Es ist einfach ein Genuss.

    Hier könnte man es noch aushalten, aber der Weg ruft und es geht weiter nach Rapperswil. Wanderer erzählen uns, dass es in Rapperswil im Hotel Jakob eine Pilgerunterkunft geben würde. Wir gehen in die Altstadt und finden auch den Jakob. Doch das Zimmer mit SF 170.- ist uns für Pilger einfach zu teuer. Wenigstens sehen wir die schöne Altstadt. Wir entschließen uns, die Tagesetappe doch bis Pfäffikon fortzusetzen. Auf dem Pilgersteg (Kapellenpfad) marschieren wir auf die andere Seeseite. Am Ortsausgang von Pfäffikon gibt es wieder einen Bauernhof mit Schlaf im Stroh. Da es schon sehr spät ist und sicher nicht vor 9 Uhr dort sein würden, melden wir uns telefonisch an und erkundigen uns, ob noch eine Jause zu bekommen sei.

    Der Hof liegt wieder direkt am Jakobsweg. Als wir ankommen, ist noch voller Betrieb. Der Holzkohlengrill glüht und wir dürfen uns einer Bratwurst erfreuen. Auf dem Hof nächtigt noch eine Gruppe Kinder und es findet entsprechend Bewegung statt. Der Bauer erzählt uns, dass er öfters schon im Zillertal in Urlaub war. Ein unterhaltsamerAbend ist angebrochen. Wir erzählen Witze über Schweizer und Österreicher und haben viel zu lachen. Unsere Strohlager teilen wir mit einem Schweizer, der mit seiner Tochter auf derWanderung ist.

     

    11. Etappe

    Pfäffikon – Einsiedeln

    Die Bauersleute geben sich wirklich große Mühe um den Gästen den Aufenthalt so schön als möglich zu gestalten. Sie überraschen uns alle mit einem traumhaften Frühstücksbüffet im Freien.

    Frisch gestärkt geht es steil bergauf /von (400 m auf 950 m über dem Meer) auf den Etzelpass. Der Aufstieg ist sehr mühselig, gibt aber immer wieder einen schönen Rückblick auf den Zürichsee frei. Oben angelangt auf dem Etzelpass steht die 1679 erbaute St. Meinrad-Kapelle und das 1759 erbaute Pilgergasthaus. Doch leider ist Ruhetag. Hier lebte der Einsiedler Meinrad, bevor er an den Ort des heutigen Einsiedelns weiterzog. Vom Etzelpass haben wir einen großartigen Blick auf den Sihlsee und die zwei Mythen.

    Nun führt der Weg zur Tüfelsbrugg (Teufelsbrücke erbaut 1699 durch Caspar Moosbrugger) hinab. Kurz vor der Brücke erinnert die Paracelsusplakette an den berühmten Arzt Paracelsius, der hier 1493 geboren wurde und sein Kindheit verlebte. Von der Tüfelsbrugg wird erzählt, wer das erste Mal zu Fuß nach Einsiedeln pilgere, müsse auf der Brücke eine Kette durchbeißen. Wir haben so wie die anderen vor uns keine Kette gefunden. Ich denke, die Kette war der Etzelpass.

    Bei der Tüfelsbrugg treffen wir auf einen Schweizer Pilger, er nennt sich Richi. Gemeinsam wandern wir über das Hochmoos Schwantenau am Sihlsee vorbei. Zu gerne würden wir jetzt eine Badepause einlegen, aber wir sagen uns: „Umweg wird keiner gemacht, nur wenn der Jakobsweg direkt zum See führt“.

    Leider gehen wir etwa 200 m am See vorbei. Wir kommen zu einer Mariensäule. Von hier haben wir einen großartigen Blick auf das Kloster von Einsiedel. Auf der Bank neben der Mariensäule machen wir Rast, genießen den herrlichen Blick auf das Kloster, den großen und kleinen Mythen und das tolle Panorama. Einsiedeln, tagelang haben wir uns ausgemalt wie es hier wohl aussehen würde? Eine eigenartige, wunderbare Stimmung überkommt uns. Das Ziel liegt auf einmal vor uns. Wir haben es geschafft, nur noch 2 oder 3 Kilometer.

    Unser Wasservorrat ist wieder zu Ende, Richi überlässt Gitti seinen letzten Schluck. Mit Richi haben wir einen sehr netten Begleiter gefunden, eben ein echter Pilgerfreund. Wir führen tolle Gespräche.

    Nach einer ausgiebigen Pause machen wir uns auf, auf zum Ziel. Bei einem Bauernhof fragen wir noch einmal um Wasser, die Frau ist sehr nett und will uns auch Saft anbieten.

    Endlich stehen wir vor dem Benediktinerkloster von Einsiedel. Wir gehen auf ein Gebet in die Kirche. Die Kirche, die Gnadenkapelle der Schwarzen Madonna, der Marienbrunnen auf dem Vorplatz, wir sind derart beeindruckt und bewegt, so ein Gefühl kann man mit Worten nicht ausdrücken. Es ist einfach „himmlisch“.

    Wir quartieren uns im Hotel St. Josef ein, duschen uns und tauschen unsere Pilgerkleidung gegen zivilisierte Klamotten aus. Wir treffen uns noch mit Richi auf ein Getränk. Auf einmal bist du wieder einer von allen, du bist kein Pilger mehr. Die Rückkehr in das „normale“ Leben geht uns ein wenig zu schnell. Es war unbeschreiblich schön, ein Pilger zu sein. Leben im Einklang mit Gott und der Natur, jeden Tag die Herbergsuche, jeden Tag viele neue Erlebnisse, viele offene Fragen, es gibt letztlich immer eine Lösung.

    Wir sind überzeugt, dass der Hl. Jakob seine Pilger auf Schritt und Tritt begleitet. Am Abend besuchen wir in der Klosterkirche eine Abendandacht mit dem 4-stimmigen Chor der Patres. Wir bekommen Gänsehaut vor Ehrfurcht.

    Wir bleiben noch einen Tag in Einsiedeln, schauen uns noch ein paar Sehenswürdigkeiten an wie: Diorama Bethlehem – die größte Krippe der Welt, Panorama – Kreuzigung Christi. Alles in allem ist der Jakobsweg für uns ein wunderbares Erlebnis. Eine komprimierte Lebenserfahrung. Du begegnest vielen hilfsbereiten und ablehnenden Menschen, die Natur zeigt dir alle Schönheiten, die Sonne brennt erbarmungslos auf dich nieder, die Berge verlangen das Letzte von dir, Wasser gibt dir immer wieder Kraft - dir wird richtig bewusst wie wichtig Wasser ist, du darfst die gute Luft der Wälder atmen.

    Die unsichtbaren Wege, die man geht, die Kräfte die man manchmal spürt - das ist der Jakobsweg!

    Nach 4 – 5 Tagen überkommt dich Müdigkeit, du fragst dich, warum tu ich mir diese Strapazen an? Zu Hause wäre es doch so schön, ist es das wert? Ja, es ist es wert. Es wird Abend, du blickst zurück auf den Tag, du bist stolz, was du geschafft hast, ein schöner Pilgertag geht wieder zu Ende.

    Die letzte Nacht in Einsiedeln schlaf ich nicht besonders gut. Zu viele Erlebnisse der vergangenen Tage beschäftigen mich. In Gedanken lass ich den Weg noch einmal an mir vorbeiziehen.

    Richi war so begeistert von unseren schönen Jakobsmuscheln! Ich werde ihn am nächsten Tag noch suchen und ihm meine Muschel überlassen. Wir finden Richi und ich übergebe ihm meine Muschel mit dem Wunsch, dass sie ihm ein guter Begleiter für seinen weiteren Weg sein sollte. Er ist außer sich vor Freude und das Sprechen fällt uns beiden schwer.

    Wir bedanken uns beim lieben Gott, dass er uns eine so schöne Welt gemacht hat.

    Dem Hl. Jakob schicken wir für seine Begleitung ein herzliches Dankeschön.

    Wir bedanken uns noch bei all den netten und hilfsbereiten Menschen, welche uns begegnet sind. Es scheint sie wirklich zu geben, die "Engel vom Jakobsweg". Den Jakobsweg mit deinem Partner zu gehen, ist wohl das höchste Glücksgefühl.

    Danke Gitti, dass du mich begleitet hast.

    Danke Peter Lindenthal, für das tolle Buch "auf dem Jakobsweg durch Österreich". Es war uns ein wertvoller Wegbegleiter. Ich denke, ohne Peter Lindenthal würden den Jakobsweg in Österreich wohl sehr wenige kennen.

    Mein Bruder Sepp und seine Frau Elisabeth holen uns ab. Gemeinsam verbringen wir ein bar schöne Stunden in Einsiedeln.

    Empfehlung: Nach 4-5 Tagen unbedingt einen Ruhetag einrichten. Tagesetappen nicht über 25 Kilometer wählen. Sollte jemand Lust bekommen auf den Jakobsweg zu gehen, Rucksack packen und losmarschieren.

    Wege entstehen indem man sie geht!

    Wir wünschen einen guten Weg (buen Camino) und mögen deine Füße Flügel bekommen.

    Ich setze den Fuß voller Achtsamkeit auf die Erde, im Wissen, dass ich auf einer wunderbaren Erde gehe. (Thich Nhat Hanh)

    Pilger! Nicht du sollst den Weg machen. Lass zu, dass der Weg dich macht.
    Einsiedeln

    Übersicht zur Geschichte des Klosters Einsiedeln

    Der kurz vor 800 geborene heilige Meinrad, Mönch des Benediktinerklosters auf der Insel Reichenau im Bodensee, zieht sich mit Erlaubnis seines Abtes im Jahr 835 in die Einsamkeit des heutigen Einsiedler Gegend, die damals der Finstere Wald genannt wurde zurück.

    An der Stelle wo jetzt die Gnadenkapelle steht, errichtet er eine Klause (lateinisch = Einsiedelei) und führt dort 26 Jahre lang ein gottgefälliges Leben in Gebet und Betrachtung.

    Der heilige Meinrad wird am 21. Jannuar 861 von zwei Mördern erschlagen. Sein Leichnam wird nach dem Kloster Reichenau überführt und dort bestattet.

    934, nachdem die Zelle des heiligen Meinrad zu zerfallen drohte, kommt Eberhard, Dompropst von Strassburg, an die Stätte, wo der hl. Meinrad lebte. Er legt dort den Grundstein zu einem Benediktinerkloster und wird deshalb erster Abt.
    947, wird Einsiedeln Königskloster, der Abt wird damit Reichsfürst.
    Am 6. Oktober 1039, werden die Gebeine des hl. Meinrad vom Kloster Reichenau nach Einsiedeln gebracht.

    Die schwarze Madonna

    Die Einsiedler Madonna war ursprünglich nicht schwarz, sondern normal holzfarben. Durch Russ und Staub wurde sie im Laufe der Jahrhunderte immer dunkler. Als die Mönche das Gnadenbild beim Franzoseneinfall 1798 nach Österreich in Sicherheit brachten, ließen sie es dort vor ihrer Rückkehr nach Einsiedeln restaurieren und reinigen. Als die Mönche die Statue wieder in Einsiedeln zur Verehrung aufstellten, waren Pilger und Einsiedler enttäuscht, da das Bildnis plötzlich so ungewohnt hell war. Da ließen die Mönche Gesicht und Jesuskind schwarz anmalen. So ist sie bis heute geblieben.

    Info von Pater Kolumban Reichlin
    Wallfahrtsleitung des Klosters Einsiedeln.

     

    www.jakobsweg.ch
    www.chemin-de-stjacques.ch
    www.sinnwaerts.ch
    www.einsiedeln.ch
    www.kloster-einsiedeln.ch
    www.schlaf-im-stroh.com
    www.strohtouren.ch
    www.visit-einsiedeln.ch