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  • Tagebuch von Martin, der 2001 in vier Monaten von Wien nach Santiago de Compostela und weiter nach Finsiterre gepilgert ist.

    ... ich beschließe, da Kaiserwetter, bis um Untergang der Sonne zu marschieren.

    19. Tag, 09. Mai 2001

    Erpfendorf - Itter

    Sitze beim Frühstück im Schwabenhof. Es ist kurz nach 8 Uhr und der Tag kündigt schönes Wetter an. Nach zwei Tagen eine willkommene, positive Abwechslung.

    (Nachtrag, sitze am Ufer der Brixner Ache)

    19. Tag, Erpfendorf – Itter, ca. 35km, ca. 12 Stunden

    Kaiserwetter begrüßt mich als ich in Tirol aufwache. Nach kurzem Frühstück, die Bäuerin hat mir noch 1 Liter Wasser für Tee aufgekocht, mache ich mich auf den Weg in Richtung St. Johann in Tirol.

    Mein Weg führt anfangs einfach im Tal entlang der Großache und wechselt dann, kurz nach St. Johann, nördlich in den Wald.

    Gekühlt vom leichten Wind und dem Schatten der Bäume komme ich rasch voran. Vorbei an einem alten Bauernhof (Innergraderhof 1170 zum ersten Mal mal urkundlich erwähnt), später am Römerhof (Wirtshaus) senkt sich der Weg – einige Mountainbiker sind unterwegs – wieder ins Tal und vorbei an so manchem Golfplatz. Heute läuft es mit dem Gehen wie von selbst und ich beschließe, da Kaiserwetter, bis zum Untergang der Sonne zu marschieren. Erst dann würde ich im Wald mein Biwak aufschlagen.

    Am Ortsrand von Itter werde ich plötzlich, wie so oft an diesem Tag, angesprochen. Es dämmert schon etwas und als ich dem in seinem Garten stehenden Pärchen erzähle ich wolle im Wald schlafen werde ich auch schon eingeladen.

    Nach der Dusche sitzen Jill, Reinhold und ich noch bis etwas 23h zusammen und tauschen Gedanken und Erfahrungen zum Thema Reisen aus.

    20. Tag, 10. Mai 2001

    Itter – Reintaler See, ca. 31 km

    Tirol zeigt sich auch heute in voller Pracht, an solchen Tagen werden Fremdenverkehrsfotos gemacht! Überblicke das gesamte Tal samt den umliegenden Bergen rund um Wörgl und der Brixner Ache.

    Im riesigen Wohnzimmer begrüßen mich Jill und ein feudales Frühstück mit Ausblick vom Erker aufs umliegende Tal. Jill erzählt noch wie sie nach Österreich gekommen ist und Reinhold (laut Selbstdefinition „rein“ und „hold“) kennengelernt hat. Leider muß ich dann doch wieder weiter, vergesse meinen Stock und muß kurz nochmals umdrehen. Fortsetzung folgt...

    Habe den Weg (nördlich des Inns etwas oberhalb am Hang) auf der Karte entdeckt und beschlossen, diesen, obwohl ein kleiner Umweg, anzusteuern. Der Reintaler See, er sieht aus wie aus dem Kanada-Prospekt, an einer Seite ein kleiner Campingplatz – fast noch nix los – sonst aber die absolute Ruhe. Mache mir mit dem Gaskocher Ravioli und schlafe zwischen Baumstämmen im hohen Gras.

    PS: Wäre heute fast auf einen Fuchs gestiegen der vor mir im Gras gelegen ist.

    21. Tag, 11. Mai 2001

    Reintaler See – Vomp

    Ein herrlicher Tag, der am Ufer des Sees für mich um 7 Uhr beginnt. Nebel liegt über dem Wasser, eine Haubentaucher-Familie schwimmt umher. Gehe in Richtung Brixlegg (über den Inn) und raste gerade in Rotholz direkt in der Lärchenallee. Traumhaft, die Sonne trocknet meinen verschwitzten Rücken und den feuchten Schlafsack den ich neben mir ausgebreitet habe.

    21. Tag, gegen 21Uhr auf einer Campingliege im Pfarrheim von Vomp

    Der junge Kirchenchor des Orts probt gerade „Keep smiling ... that’s what friends are for“ mit Flöte und allem Drum und Dran. Die Tür meines Zimmers ist offen und so höre ich zur Untermalung auch noch die Tiroler Grillen zirpen, einfach unglaublich. Der Pfarrer war superfreundlich, ich treffe ihn morgen beim Fleischhauer zum Frühstück.

    Vorher am Dorfplatz noch einen älteren Kärntner getroffen der hier in der Nähe beim Tunnelbau (Verona-München) tätig ist. Hat mich gleich zum Wirten auf ein Bier eingeladen & sehr interessante Geschichten erzählt. Die Kellnerin war aus Orth an der Donau und kellnert seit einem halben Jahr hier. Sie spricht akzentfrei tirolerisch.

    Ach ja, als ich nahe eines Schlosses rastete, habe ich doch wirklich einen echten Grafen in seiner Limousine vorbeifahren sehen... Gerade wird Fendrichs „Herz hast wie a Bergwerk“ auf tirolerisch intoniert.

    22. Tag, 12. Mai 2001

    Vomp – Innsbruck, ca. 26km, ca. 8 Stunden

    An der Innpromenade in Innsbruck.

    Mein Handy läutet gegen 6:30 Uhr und ich mache gleich mal Musik via Sony-Anlage im Jugendraum der Vomper Pfarre. Klappe die Liege (ich war der erste der seit dem Kauf darauf geschlafen hat) zusammen und mache mich nach einer Katzenwäsche auf den Weg zur örtlichen Fleischerei/Bäckerei.

    Anfangs sieht es so aus sei Hochwürden noch nicht da doch auf mein Nachfragen werde ich in die Küche geführt. Und wirklich, da sitzt der Pfarrer im Eck bei reich gedecktem Tisch und heißt mich willkommen.

    Der Kirchenmann wirkt trotz seiner grauen Haare sehr jugendlich und hält die Angestellten gut auf Schmäh. Eine Dame die später zu uns stößt, bringt ihre Verwunderung über das Nichterscheinen des „Herrn Pfarrers“ zum Ausdruck. Extra für ihn habe man gestern sein Leibgericht gekocht aber „Herr Pfarrer“ sei nicht zur vereinbarten Messe gekommen. Die Reaktion des Pfarrers ist irgendwo zwischen Überlegen und Belustigung.

    Der Weg nach Innsbruck führt zuerst über die Bundesstraße vorbei an Kiesgruben und Betonwerken, dann aber über Feldwege und später durch einsame Wälder (Gnadenwald, wie bei Andreas Hofer). Bei der Kapelle von Maria Larch treffe ich einen älteren Herren, der den Kofferaum seinen Volvo Kombi bis unters Dach mit Wasserkanistern belädt. Das Wasser aus der Quelle hat angeblich heilende Kräfte. Wenn dem so ist, muß der Herr (gebürtiger Steirer) pumperlgsund sein ... ich selbst habe noch einen Liter dabei, werde den der Kati schenken. Nach Pause und Gespräch mit dem halben Tiroler geht es weiter durch den Wald, irgendwann sehe ich eine Eidechse und später ein Eichhörnchen. Das Eichhörnchen kommt bis auf wenige Meter an mich heran und klettert den Baum langsam und direkt runter, süß. Komme später nach Absam und von dort, bei großer Hitze, teils über Felder, teils an der Straße immer weiter Richtung Innsbruck. Die Strecke zieht sich total und der Lärm der Autos (Frequenz und direkt an den Häusern) nervt mich extrem. Doch ich kämpfe mich weiter und bin irgendwann direkt in Innsbruck. Beim Studentenheim (Rössl in der Au, in Hotting) angekommen, ist Kati leider noch nicht da, mit ein Grund, warum ich Zeit zum schreiben habe ... doch gerade hat sie angerufen und sollte gleich hier sein.

     

    23. Tag, 13. Mai 2001, 13:20 Uhr

    Ruhetag in Innsbruck

    Ein reinrassiger Sommertag wie im Juni, blauer wolkenloser Himmel über der Tiroler Hauptstadt. Liege in der Wiese direkt an der Innpromenade. Etwas weiter sitzt ein Mädel im Gras und spielt Gitarre ... Innsbruck ist wunderschön und wirkt wie ein einziger großer Uni-Campus.

    Gestern war ich mit Kati noch abendessen in einem Biergarten und danach noch kurz in einem großen hippen Freilichtlokal.

    Heute Morgen und gestern noch diverse Klamotten und auch den Schlafsack gewaschen. Die Sachen trocknen jetzt auf der Sonnenterrasse („wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck“) des Studentenheims. So, nun geh ich mal wieder, Formel 1 - Lauf, etwas „Kultur“ muß sein.

    24. Tag, 14. Mai 2001

    Ruhetag in Innsbruck

    Das Wetter ist heute angenehmer, da nicht so extrem heiß wie gestern am Sonntag. Vormittags allerlei nötige Besorgungen gemacht. Verschluss für die SIGG-Flasche (ist mir von der Brücke in den Inn gefallen), Proviant für morgen und übermorgen, Buch für und über den Jakobsweg durch die Schweiz mit Anschluss bis Le Puy.

    Fühl mich nicht so toll da nix zu tun und ich bin nervös ob der weiteren Strecke, die Zeit des Peter Lindenthal ist bald vorüber. Muss mich nun für eines der beiden Bücher entscheiden und hoffe auf gute Beschilderung in der Schweiz Ich werde mir in Einsiedeln oder so auf jeden Fall noch eine CH-Landkarte besorgen.

    Werde dann mal wieder gehen, kaufe vielleicht Tomaten und Mozarella ein ... Abendessen. Für abends steht WWW auf dem Programm, dem Hannes für meine Seite wieder neue Texte zusenden. Bis später, Tagebuch!

    25. Tag, 15. Mai 2001

    Innsbruck – Pfaffenhofen, ca 32km

    Auf meiner Isomatte in rund 1.000 m Seehöhe vis-à-vis von Telfs.

    Es ist gegen halb 8 Uhr abends, ich überblicke im Liegen das Inntal rüber auf den anderen Hang nach Telfs. Vor mir steht der Kocher und darauf ein Topf in dem Reis unter Beimengung von Cabanossi kocht. Sobald er fertig ist wird er zusammen mit Tomatenmark (aus der Tube) serviert. Der heutige Tag hatte alle Höhen und Tiefen, so ein Restart vom Pseudo-Studenten zum Pilger ist nicht so einfach. Doch schon ab Nachmittag war ich wieder in Stimmung, und der Platz hier ist sowieso ein Traum.

    Nun, lecker wars ... die Sonne ist weg, vereinzelt hört man noch Vögel und unten im Tal haben sich die Häuser und Straßen in Lichterketten verwandelt. Um zu schreiben benötige ich bereits die Hilfe meiner Taschenlampe.

    Nun aber noch kurz zum Tag: Raus aus Innsbruck ist sehr fad da die schöne Innpromenade von Joggern und Radlern übervölkert ist ... nix, ich schreib morgen weiter, bon nuit!

    Nachtrag: Höhepunkt des Tages ein Golden Retriver (PAL Werbung), der in vollem Tempo aus eine Hauseinfahrt bellend auf mich losrennt. Mit dem Stock und dem dadurch gegebenen Selbstvertrauen kann ich ihn sofort verjagen. Wenig später treffe ich im Wald auf einen Kanarienvogel, ob der er sich wohl von den Kanaren in den Tiroler Wald verirrt hat? Ab Inzing geht der Weg mal durch Wald mal über Felder locker dahin. In einem Waldstück treffe ich zwei Kinder und frage zur Orientierung woher sie kommen bzw. wohin dieser Weg geht. „In’s Dorf!“ geben sie mir bereitwillig Auskunft.

    26. Tag, 16. Mai 2001

    Pfaffenhofen (Ranggenwiese) – Roppen

    Gönne mir, obwohl schon 11 Uhr, ein Frühstück in einem Café vis-à-vis vom Stift Stams. Portion ist dürftig, dafür aber lieblos, hoffe auf angemessenen niedrigen Preis.

    In der Nacht, so gegen eins, hat es noch zu regnen begonnen zum Glück nicht wirklich stark. Um sieben Uhr bin ich dann aufgewacht – toller Sonnenaufgang – und gegen acht tatsächlich aufgebrochen. Teewasser gekocht und so...

    Abstieg ins Tal auf der Forststraße, die durch einen kühlenden Fichtenwald führt, an einer Quelle befülle ich die leeren SIGGs. Im kleinen Ort Rietz verlaufe ich mich dann mehr als nötig, doch an meine morgens schlechte Orientierung hab ich mich mittlerweile schon gewöhnt. Über Feldwege, der Geruch des frisch gemähten Grases liegt in der Luft, spaziere ich locker in Richtung Stams. Die Sonne brennt, es ist erst ca. 9:30 Uhr, beim Eincremen fühle ich mich durch den Duft der Sonnencreme an Kreta 1995 erinnert. Kurz vor Stams komme ich an einer Kirschenallee vorbei, zur richtigen Jahreszeit würde ich mich hier wohl länger aufhalten.

    Anmerkung:

    Passend zum Monat begegne ich dauernd Maibäumen und Maikäfern. Jedem noch so kleinen Ort seinen Baum. Ja, ja, in Linz war der erste Mai, auch schon zwei Wochen vergangen...

    Selber Tag gegen 16 Uhr, Rast nahe Haiming

    Rastplatz mit Bank unter einem Baum, kleiner Parkplatz unweit der Bahnüberführung

    Im Lindenthal-Buch den Hinweis auf einen Biwakplatz entdeckt, den werde ich ansteuern. Dürfte von hier aus rund ein einhalb Stunden weg sein ...

    Beim Zahlen in Stams musste ich mich etwas ärgern, verlangt der doch glatt 84 Schilling für das liebloseste Frühstück seit meinem Weggang (4x Brot, 1x Laugenstangerl, 2x Butter, 2x Marmelade und 1x Kaffee). Schlimmer als der Preis ist, dass ich nix gesagt habe ... aber auch das ist schon vergessen ...

    Selber Tag gegen 19 Uhr, auf einer Anhöhe vis-à-vis der kleine Ort Roppen.

    Direkt vor mir, etwas hangabwärts, grasen Schafe, eine Herde von gut 30 Stück. Unten im Tal macht der grüne rauschende Inn eine Rechtskurve und gegenüber am noch sonnigen Südhang formiert sich der kleine Ort Roppen rund um die Pfarrkirche. Etwas ist heute anders als bis jetzt, ich habe lange überlegt, doch ich bin draufgekommen, was es ist: Der Abend ist lau! Bisher war es heiß oder kalt, aber jetzt im Moment, einfach lau. Ein Gefühl von Sommer, abends beim Heurigen, und dazu auch noch ein Grilllenkonzert ... unglaublich!

    Nachmittags ab Haiming (dort aufs orographisch linke Innufer) ein wunderschöner Weg direkt am Ufer. Nach etwas Marsch sehe ich mehrere Raftingboote. Als der Weg endet, führt eine wenig befahrene Asphaltstraße direkt an der Autobahn entlang. Der Radweg, der es laut Beschilderung ist, führt nach etwa einer halben Stunde durch eine unüberschaubare Kiesgrube. Ich mache Fotos und unterquere die A1 direkt im Kieswerk, die A1 ihrerseits überquert die Kiesgrube. Kaum bin ich aus der staubigen Grube draußen führt mich der Weg in einem Föhrenwald zurück ans Ufer des Inns. Ich glaube nicht, was ich sehe, und mache zum Beweis ein Foto: Ein flacher wenn auch kurzer Sandstrand direkt am Ufer des wilden Flusses. Ich mache sogleich Rast und sehe wieder Raftingboote. Weiter in Richtung Roppen komme ich dann an einem Römerbad vorbei, wo genau nach Anleitung gekneippt wird.

    27. Tag, 17. Mai 2001

    Roppen – Zams

    Sitze im Keller des Widums direkt in Zams. Dieses Gemäuer geht aufs 14. Jahrhundert zurück, eindrucksvoll. Gleich bei meiner Ankunft (17:30 Uhr) hab ich mich im lokalen Supermarkt (privat!) noch mit Proviant für die nächsten Tage eingedeckt.

    FANG NIE AN AUFZUHÖREN,

    HÖR NIE AUF ANZUFANGEN.

    (Inschrift an einem Kreuz auf dem Römerweg von Roppen nach Zams und

    ab diesem Tag auch Wegbegleiter und Inschrift in meinem Camio-Tagebuch.)

    Zusätzlich, da hier im Keller eine Kochgelegenheit ist, Iglo-Stroganoffpfanne besorgt und schon gegessen. Weiters sind die versifften Shirts auch schon gewaschen und vor dem Keller am Geländer aufgehängt. Der Vormittag war schön und durch Feld- und Waldwege gekennzeichnet. Nachmittags hatte ich einen ziemlichen Einbruch und war sehr langsam und ausgequetscht unterwegs. Werde nun noch eine Runde durch den Ort drehen.

    28. Tag, 18. Mai 2001

    Zams – St. Anton am Arlberg

    Esse eine Tafel Milka und liege in einem superbequemen Bett in einem Mansardenzimmer im Pfarrhaus. Der Raum erinnert mich an Spitzwegs „Der arme Student“ oder wie das heißt ... Der Pfarrer ist ein ausgesprochen sympathischer Typ, wir haben noch etwas geredet und zu essen hab ich auch noch etwas bekommen.

    Die heutige Etappe war perfekt, vielleicht wegen der guten Tat? Anfangs voll der Regen, hat ausgesehen, als würde es die nächste Woche durchregnen. Doch nach ca. 2 Stunden war alles schon wieder vorüber und zum ersten Mal seit langer Zeit war es angenehm kühl. So konnten die Steigungen rasch und ohne großen Schweißausbruch bewältigt werden. Weg: Innpromenade, bergauf, querfeldein über den nassen Hang, Regen beginnt auf der Lichtung, Rasensprenger, Kreuzgang glich zweimal, Römerweg, Arlbergtal samt Rosanna-Fluss. Auf dem Weg fotografiert mich eine Gruppe englischer Pensionisten. Sehe für sie wohl aus wie der typische Bergtiroler. Mit Wanderstock und fettem Rucksack.

    29. Tag, 19. Mai 2001

    St. Anton am Arlberg – Daalas

    Heute mal wieder etwas früher raus, da der Herr Pfarrer schon um 7:30 Uhr wegmußte nach Landeck und ich mit ihm aus dem Haus. Geschlafen habe ich, wie schon gestern im Widum von Zams, ganz ausgezeichnet. Als ich in die Küche komme, spielt es im Radio die Nachrichten und danach die Zillertaler Schürzenjäger: „Halleluja“. Der Pfarrer schaltet aus und meint: „Jetzt ham’s uns auch des schon gestohlen“.

    Wieder Kaiserwetter, als ich Richtung Rosanna aufbreche. Obwohl die Sonne schon runterbrennt ist es noch sehr kühl, gerade richtig zum Aufstieg. Irgendwo verliere ich dann den markierten Weg und finde mich abseits steil bergauf kletternd wieder. Der Hang ist nass vom Schmelzwasser und es wird immer steiler und rutschiger. Die Bäume hören auf, und nur vereinzelt komme ich an Latschen vorbei. Es wird noch steiler, ich muss weiter, ein Zurück ist nicht mehr möglich. Es ist viel zu rutschig und zu steil, um mit dem schweren Rucksack wieder bergab zu gehen. Nach und nach gewinne ich an Höhe, auf allen vieren geht’s weiter. Eine kleine Holzhütte kommt in Sicht. Diese wird zu meinem nächsten Ziel und Orientierungspunkt.

    Vorsichtig überquere ich einige Schneefelder und komme auf einen schmalen schneefreien Güterweg. Überlege in welche Richtung ich gehen soll und entscheide mich für links (mein Kompass zeigt nach Westen) zu gehen, und stehe plötzlich direkt über St. Christoph.

    Der Abstieg vom Pass verläuft anfangs direkt an der Straße, dann daneben. Parallel zu einem Bach auf einem breiten Schneefeld auf dem man auch jetzt noch mit dem Board abfahren könnte, bis zur Talstation liegt noch Schnee. Ich komme durch den ersten kleinen Ort und treffe den ersten Vorarlberger, der mir eine Lawine und mit dem Fernstecher ein Gipfelkreuz das er selbst aufgestellt hat, zeigt. Erst am 10. Mai ist die Lawine hier runtergerauscht und liegt noch jetzt meterhoch neben der Straße. Talabwärts komme ich bis Dalaas, wo ich ein kleines günstiges Privatzimmer finde.