Es ist heutzutage eine Vielzahl von Motiven, die die Menschen auf den Jakobsweg bringt: Religiöse Motive spielen die gleiche Rolle wie persönliche Beweggründe, die Lust, etwas „Neues“ auszuprobieren, oder die Sehnsucht, sich auf den Weg zu machen, durch das Pilgern seinem Leben ein Symbol zu verleihen, in dessen Rahmen Sinn und Aufgabe des eigenen Lebens erfahren werden kann.
Die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela im 21. Jahrhundert unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt ganz gewaltig von der des Mittelalters oder der frühen Neuzeit: Die heutigen Pilgerinnen und Pilger begeben sich nicht mehr in Lebensgefahr: Mehr als Blasen oder Sehnenentzündungen können Sie, wenn Sie sich zu Fuß auf den Weg machen, nicht bekommen, und die medizinische Versorgung sowie die Sicherheitslage sind gleich gut wie in Österreich. Es kann Ihnen also nichts passieren. Wirklich nicht?
Physisch kann Ihnen wirklich nichts passieren, was Ihnen nicht auch zuhause widerfahren kann. Aber Sie gehen ein existenzielles Risiko ein: Die Pilgerfahrt, und sei sie noch so kurz, führt Sie dazu, sich mit sich und Ihrem Leben in einer Deutlichkeit und Unmittelbarkeit zu beschäftigen, die wehtun kann. Sehr weh sogar. Dieser Prozess kann Jahre dauern, und er wird dazu führen, dass Sie Ihr Leben mit anderen Augen sehen. Und dass Sie vielleicht Konsequenzen ziehen. Trauen Sie sich! Machen Sie sich auf den Weg: auf dem Jakobsweg in Tirol zu sich selbst!
