Was waren die Motive der mittelalterlichen Pilger? Und was sind die Motive der modernen Pilgerinnen und Pilger?
Es sind natürlich viele, oft persönliche oder schicksalhafte Beweggründe, aus denen sich die Menschen auf den Weg nach Santiago de Compostela machten (und machen), aber es lassen sich einige allgemein gültige Motive erkennen. So verschieden die Zeiten und Menschen sind, so ähnlich sind sie sich in vielen Bereichen. Aus diesem Grund stehen hier auch mittelalterliche Motive neben neuzeitlichen Gründen, sich auf den Weg zu machen.
- Die ausgeprägte Reliquien- und Wundergläubigkeit der mittelalterlichen Menschen.
- Das symbolische Unterwegssein als Zeichen dafür, dass der gläubige Christ sein ganzes Leben lang unterwegs ist: auf dem Weg zu seinem Gott.
- Pilgern als gesellschaftliches Ereignis: Es war über einen langen Zeitraum hinweg „in“, zumindest einmal im Leben in Santiago gewesen zu sein.
- Abenteuerlust
- Flucht
- Wirtschaftliche Motive (Geschäfte machen, Handel treiben, aber auch stehlen, betrügen und rauben).
- Auferlegte Bußwallfahrten
- Erfüllung eines Gelöbnisses
- Strafweises Pilgern: Es gab etliche Delinquenten, die dazu verurteilt wurden, zum Apostelgrab zu pilgern. Zum einen, um sie zu läutern, zum anderen aber in der nicht unberechtigten Hoffnung, dass sie nie mehr zurückkamen. Diese revolutionäre Form des humanen Strafvollzugs lebt übrigens im 21. Jahrhundert im belgischen Jugendstrafrecht wieder auf!
- Pilgerfahrten in Vertretung: Reiche „Pilger“ oder besser gesagt Möchtegernpilger schickten Leute niederen Standes gegen Bezahlung zum Apostelgrab nach Galizien. (Anmerkung: Der Autor dieser Homepage steht für ein entsprechendes Entgelt auch gerne zur Verfügung!)
- Pilgern in extremen Formen der Pilgerschaft, die vor allem in Zeiten sozialer und ökonomischer Not (Pest oder Krieg) Verbreitung fanden: Barfußpilgern und sogar Nacktpilgern!
- Sportliche Motive: Schnellpilgern (Wer schafft dreimal hintereinander 50 km am Tag zu Fuß oder 150 km mit dem Rad?)
- Bewältigung persönlicher Krisen
- Selbstfindung
- Urlaub
Einige persönliche Bemerkungen zu den verschiedenen Gründen, sich auf den Weg zum Apostelgrab nach Santiago de Compostela zu machen: Pilgern ist definitiv kein Sport. Das beweisen Jahr für Jahr tausende Kinder sowie alte, schwache, körperbehinderte Menschen. Die Kraft, die Sie für Ihren Pilgerweg brauchen, liebe Leserinnen und Leser, kommt aus Ihrem Herzen und aus Ihrem Kopf! Sie steckt nicht in Ihren Muskeln. Sie können auf Ihrer Pilgerfahrt keinen Problemen davonlaufen. Daran sind schon viele gescheitert. Was Sie können, ist auf diesem Weg eine Möglichkeit zu finden, wie Sie sich diesen Problemen nach Ihrer Rückkehr stellen können. Diese Möglichkeit finden Sie auch auf dem Jakobsweg in Tirol.
