„Hierbei schau’n sich innig an,
Pilgerin und Pilgersmann“
(Wilhelm Busch, „Die fromme Helene“)
Im Laufe der Jahrhunderte gab es eine Vielzahl von Beweggründen, die die Pilger auf den weiten und beschwerlichen Weg nach Santiago de Compostela führte. Auf einen Weg, der mit Angst und Einsamkeit verbunden war und der auch oft in den Tod führte. Es gab:
- Bußpilger
- Strafpilger
- Abenteurer
- gläubige Christen
- Flüchtlinge
- Diebe
- Landstreicher
Heute fallen etliche dieser Beweggründe weg. Dazugekommen sind Motive wie Sport, Urlaub, Selbstverwirklichung. Es gibt wieder Abertausende Pilgerinnen und Pilger, die sich jedes Jahr auf den Weg machen, um ein Stück weit zu pilgern oder um das Apostelgrab in Galizien zu erreichen. Und es werden auch in Tirol immer mehr. Vielleicht gehören auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, schon bald dazu! Nur Mut, viel mehr als ein Paar guter Schuhe und einen Rucksack brauchen Sie nicht!
„... denn die Qualität derer, die ins Hospital kommen, ist sehr gefährlich“, warnt eine Niederschrift aus einem mittelalterlichen Pilgerhospital in Santiago de Compostela und weist mit Nachdruck auf die nach Geschlechtern getrennten Räumlichkeiten hin (1).
Wer waren die Menschen, die im Laufe der letzten tausend Jahre quer durch ganz Europa zum vermeintlichen Grabmal des heiligen Apostels Jakobus gezogen sind?
Der Aufschwung des Pilgerwesens wird oft damit erklärt, dass die mittelalterlichen Menschen noch an Wunder glaubten und dass Legenden für sie eine Form der Wahrheit waren, die nicht hinterfragt wurde. Aber warum pilgern dann im 21. Jahrhundert zigtausende Menschen nach Santiago de Compostela? Glauben diese Heerscharen moderner, aufgeklärter, mit der Mondlandung und dem Internet aufgewachsener Menschen etwa auch an Wunder und an uralte zurechtgezimmerte Legenden?
(1) Zitiert nach: www.kath.de
